Vierfachwechsel bringt den Sieg

FC Zürich - FC St.Gallen 1879 1:3 (1:1) So, 26.07.2020 Spielberichte

Mit einem Steigerungslauf nach der Pause und dank einer taktisch riskanten, aber letztlich erfolgreichen Massnahme unseres Cheftrainers Peter Zeidler gewinnen wir in Zürich verdient mit 3:1.

Unser Cheftrainer Peter Zeidler meinte nach der Partie, dass sein Plan natürlich riskant gewesen sei. «Aber wir lieben ja das Risiko», sagte er an der Medienkonferenz. Der Plan sah vor, 35 Tore und 20 Assists zuerst einmal auf der Ersatzbank Platz nehmen zu lassen. Cedric Itten, Ermedin Demirović, Victor Ruiz und Betim Fazliji erhielten einen schöpferische Pause. An ihrer Stelle begannen Axel Bakayoko, André Ribeiro, Tim Staubli und Yannis Letard die Partie im Letzigrund.

Und diese begann ausserordentlich gut im Vergleich zum letzten Spiel zu Hause gegen Basel, als das erste Tor nach nicht einmal vier Minuten fiel. Es dauerte genau 38 Sekunden, als Schiedsrichter Adrien Jaccottet auf den ominösen Punkt im FCZ-Strafraum zeigte. Nathan hielt Jérémy Guillemenot im Sechzehner zurück. Nach der kalten Dusche am Mittwoch bot sich nun uns die Chance, gleich zu Beginn ein Ausrufezeichen zu setzen. Jordi Quintillà erledigte die Aufgabe mit Bravour und schickte FCZ-Goalie Brecher in die falsche Ecke. 1:0 für uns in der zweiten Minute.


Vehemente Zürcher Reaktion

Danach versuchten die Zürcher, den Fehlstart zu korrigieren. Allen voran Nathan, der beim ersten Eckball der Partie in der fünften Minute hochstieg und zum Kopfball ansetzte – aber genau in die Arme von Lawrence Ati Zigi köpfte. Die nächsten sechs Minuten drückten die Gastgeber weiter aufs Tempo. Kramer zweimal, ein Abschluss von Rüegg aus der zweiten Reihe - und richtig gefährlich wurde es in der elften Minute, als Zigi einen noch abgelenkten Hammer von Kryeziu aus 20 Metern mit einem tollen Reflex abwehren konnte.

Der Ausgleich in der 16. Minute war irgendwie die logische Folge dieser Druckphase des FCZ. Koide setzte sich an der rechten Seitenlinie grenzwertig gegen Miro Muheim durch. Man könnte den Check auch als internationale Härte bezeichnen. Es folgte ein schönes Dribbling und eine Hereingabe, die Kololli in Richtung Tor ablenkte. Zigi war zwar noch dran, doch Kololli stocherte den Ball im zweiten Versuch über die Linie.


Ribeiros Chancen und Görtlers Weckruf

Nach der Trinkpause in der 23. Minute an diesem warmen Sommerabend fanden wir besser ins Spiel. Vor allem sorgten wir nun auch für Gefahr vor Brecher. André Ribeiros Schlenzer flog in der 27. Minute nur haarscharf am linken Torwinkel vorbei. Es sollte nicht die letzte gute Torchance unseres Stürmers gewesen sein.

Doch vorher setzte noch Lukas Görtler ein Ausrufezeichen, als er Kololli den Tarif durchgab. Dieser mähte in der 21. Minute Bakayoko von hinten um und wurde dafür verwarnt. Nun räumte Görtler den Zürcher vor dessen Bank kompromisslos ab, was ihm in der 29. Minute ebenfalls Gelb und ein hitziges Wortgefecht mit FCZ-Coach Magnin einbrachte. Fünf Minuten später folgte wieder ein sportlicher Höhepunkt, als Ribeiro nach toller Vorarbeit von Staubli an Brecher scheiterte. Wie der FCZ-Keeper diesen Ball noch mit einer Hand abwehren konnte, das war schon sensationell.


Erster Vierfachwechsel in der Vereinsgeschichte

Das Remis nach 45 Minuten entsprach dem Gezeigten auf dem Platz, auch wenn gerade Kololli noch zwei weitere gute Tormöglichkeiten hatte. Doch Zigi strahlte auch an diesem Abend viel Ruhe und Sicherheit aus, kratzte einen Freistoss von Kololli toll aus der Ecke, der wohl gepasst hätte.

Corona machte es möglich, dass sich in der Halbzeitpause Historisches anbahnte. Peter Zeidler schickte sich an, sämtliche vier Stammspieler, die er zu Beginn noch pausieren liess, einzuwechseln. So gab es vor Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit den ersten Vierfachwechsel der langen Vereinsgeschichte in einem offiziellen Pflichtspiel.


Demirović – Itten – Bumm

Und bis sich dieser Wechsel auszahlte, dauerte es nur wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff. Demirović bekam von Görtler den Ball an der rechten Seitenauslinie zugespielt. Ein Blick und eine Flanke auf den ersten Pfosten, wo sich Itten in Stellung brachte, und schon hiess es 2:1 für uns. Welch ein Zusammenspiel unserer beiden gefährlichsten Angreifer. Es war das 16. Saisontor von Itten und der siebte Assist von Demirovic. Schon Sekunden zuvor versuchten die beiden es anders herum und scheiterten noch knapp.

Und auch danach ging es mit diesem horrenden Tempo weiter, welches die Zürcher nun Mal für Mal überforderte. In der 54. Minute wirbelte Ruiz auf der linken Seite und passte zur Mitte auf Itten. Der legte ab auf Demirović, doch dessen Flachschuss wurde irgendwie noch abgelenkt – und somit das 3:1 verhindert. Erneut Demirović prüfte fünf Minuten später Brecher, der aber die nahe Ecke zu machte.


Guillemenots zerrissenes Trikot

Wiederum nur zwei Minuten später folgte ein Doppelpass zwischen Guillemenot und Demirović, als die beiden mit ihrem Zusammenspiel drei Zürcher schachmatt setzten. Aber Brecher war noch mit den Fingerspitzen dran und verhinderte so, dass der gefühlvolle Schuss von Guillemenot ins Tor rollte. Aus Frust zerriss unser Stürmer sein Trikot und musste auf das neue warten, das erst in der Kabine geholt werden musste. In der Zwischenzeit gab es einerseits einen weiteren Eckball für uns, und andererseits lag auch plötzlich der Ball im Tor. Itten traf in der 62. Minute, stand jedoch im Abseits.


Guillemenots überfälliges Tor

Es ging weiter mit unseren Torchancen. Demirović aus spitzem Winkel (66.), wiederum von Brecher mit den Fingerspitzen über die Latte gelenkt, dann Quintillà und Muheim mit einer Doppelchance (67.). Es spielte nur noch Grün-Weiss, allerdings in den schwarzen Auswärtstrikots. So auch in der 75. Minute, als Görtler eine Flanke von rechts in den Strafraum schlug und Guillemenot fand. Dieser stand im Sechzehner völlig frei. Vier Zürcher umringten ihn zwar, aber alle mit mindestens drei bis vier Metern Abstand. Guillemenot liess sich nicht zweimal bitten und schoss aus der Drehung das 3:1, wobei der Ball noch zweimal aufsetzte und mit Drall ins Tor flog.

Es war überfällig, dieses Tor. Nicht nur in diesem Spiel, sondern auch für den Torschützen, der sich seit dem Restart in einer blendenden Form befindet und schon lange mit einem Tor hätte belohnt werden müssen. Seine anderen beiden Treffer in dieser Saison schoss er noch im September und Dezember gegen Thun. Nun hat es endlich wieder geklappt.


Guillemenots
zurückgenommener Elfmeter

Zwei Minuten nach dem Tor der nächste Traumangriff unserer Mannschaft: Ruiz mit der Flanke von rechts auf den hinteren Pfosten, wo Demirović mit dem Kopf zur Mitte zurücklegte. Doch der Schuss von Quintillà wurde noch von einem Zürcher geblockt. Diese Aktion hätte ebenfalls ein Tor verdient gehabt. Es folgten weiter Chancen von Hefti und Demirović, beide in der 84. Minute, beide von Brecher gehalten.

Eine Minute später der nächste grün-weisse Angriff, der auf das FCZ-Tor rollte. Demirović spielte steil in den Lauf von Guillemenot, und der wurde von Kryeziu im Strafraum von den Beinen geholt. Schiedsrichter Jaccottet zeigte erneut auf den Punkt. Doch dann meldete sich VAR Esther Staubli. Jaccottet sah sich die Szene nochmals draussen am Bildschirm an und revidierte dann seine Meinung, obwohl ein Kontakt zwischen Kryeziu und Guillemenot bestand.


Doch noch eine Rote Karte

Das war aber nicht der Schlusspunkt in dieser teilweise hektischen und ruppigen Partie, die Jaccottet trotz einiger harter Fouls ohne Rote Karte über die Runde zu bringen schien. Bereits in der vierten Nachspielminute foulte Schönbächler Quintillà im Mittelkreis. Kein besonders übles Foul – und dennoch zeigte Jaccottet dem Zürcher plötzlich Rot.

Offensichtlich muss Schönbächler den Schiedsrichter beleidigt haben. Nach dem Spiel mutmasste ein gut informierter Zürcher Journalist, dass Schönbächler den Basler Schiri Jaccottet vielleicht auf seine Vergangenheit in der Muttenzer Kurve hingewiesen haben könnte. (mna)

 

FC Zürich - FC St.Gallen 1879 2:1 (0:0)

Letzigrund - 1'000 Zuschauer (Coronarichtlinien) - SR Adrien Jaccottet.

Tore: 2. Quintillà 0:1 (Pen.), 16. Kololli 1:1, 48. Itten 1:2, 75. Guillemenot 1:3.

Zürich: Brecher (Cap.); Rüegg, Nathan, Omeragic, Kempter (77. Sohm), Domgjoni, H. Kryeziu; Koide, Marchesano (67. Schönbächler), Kololli; Kramer.

St.Gallen: Zigi; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard (46. Fazliji), Muheim; Görtler (80. Rüfli), Qunitillà, Staubli (46. Ruiz); Ribeiro (46. Itten), Guillemenot, Bakayoko (46. Demirovic).

Verwarnungen: 13. Letard (Foul), 21. Kololli (Foul), 29. Görtler (Foul), 31. Ribeiro (Foul), 58. H. Kryeziu (Foul), 91. Kramer (Foul).

Bemerkungen: Zürich ohne Tosin, Mahi (beide verletzt), Janjicic (krank), Baumann, Pa Modou, Bangura, Sauter, Zumberi (alle nicht im Aufgebot). St.Gallen mit Klinsmann, Ruiz, Demirovic, Itten, Fazliji, Kräuchi, Letard, Rüfli (Ersatzbank), und ohne Gonzalez, Nuhu, Babic (alle verletzt), Strübi, Abaz, Fabiano Alves, Vilotic, Costanzo, Ajeti, Solimando, Lüchinger, Campos (alle nicht im Aufgebot). - 62. Tor von Itten wegen Abseits aberkannt. - 94. Rote Karte für Schönbächler wegen Schiedsrichterbeleidigung.