Ein Punkt in Lugano

FC Lugano - FC St.Gallen 1879 3:3 (1:2) Fr, 10.07.2020 Spielberichte

Das 3:3 im Cornaredo mit einem überragenden Lukas Görtler war ein verrücktes Spiel, für das wir aber auch einen hohen Preis bezahlen: Silvan Hefti und Lukas Görtler fehlen bei der nächsten Partie in Genf.

Eines ist seit Peter Zeilders Amtsantritt Gewissheit: Unsere Spiele sind nie langweilig und meist auch torreich. Und sie fordern hin und wieder auch ihren Tribut. Die Partie gegen Lugano an diesem Donnerstagabend im Cornaredo verdeutlichte dies auf eindrucksvolle Weise.

Eine andere Konstante, nämlich, dass wir zu Beginn kommen wie die Feuerwehr, galt auch diesmal für die erste Minute. Doch Lugano hielt danach dagegen und hatte seinerseits gute Chancen. Die erste musste Lawrence Ati Zigi schon in der zweiten Minute gegen Janga zunichte machen.


«Ich musste ihn schützen»

In der zehnten Minute war unser Goalie aber chancenlos. Voraus ging ein missglückter Befreiungsschlag von Yannis Letard, der in den Füssen von Sabbatini an der Strafraumgrenze landete. Der Lugano-Captain legte rechts rüber auf Lavanchy, welcher zunächst an Zigi hängen blieb, aber schliesslich war es wiederum Sabbatini, der im Getümmel einschiessen konnte.

Peter Zeidler reagierte und nahm Letard nach 23 Minuten vom Platz. Nach dem Spiel meinte unser Trainer, dass er den Spieler damit auch schützen wollte. Zeidler sah, dass sich sein Verteidiger heute sehr schwer tat und Mühe hatte, in die Partie reinzukommen. Für ihn kam André Ribeiro aufs Feld.


Polyvalenter Glücksbringer

Somit war die kurze Karriere von Betim Fazliji hinter den Spitzen vorerst vorbei. Auf unseren Glücksbringer wollte Peter Zeidler auch heute nicht verzichten und setzte ihn als Spielgestalter hinter Ermedin Demirovic und Cedric Itten ein. «Betim kann alles spielen», sagte Zeidler. Was für gewisse Spieler jeweils auch ein Nachteil sein kann, wenn sie polyvalent einsetzbar sind, scheint für Fazliji nicht zu gelten. Doch richtig gut ist er vor allem in der Innenverteidigung mit Leonidas Stergiou, die nach der Rochade deutlich an Stabilität gewann. Die Stabilität von unserem Captain Silvan Hefti wurde in der 21. Minute geprüft, als er im Laufduell die Hand von Luganos Covilo ins Gesicht abbekam, doch Schiedsrichter Alessandro Dudic zückte keine Karte.


Quintillà souverän, Görtler magistral

André Ribeiro war kaum eine Minute auf dem Platz, als er von Ruiz links angespielt wurde und zur flachen Hereingabe in die Mitte auf Görtler ansetzte. Dieser wurde im Laufduell von Guidotti gefoult und der gut platzierte Dudic entschied sofort auf Penalty. Jordi Quintillà nahm Anlauf und versenkte den Ball scharf unter der Latte, Baumann hatte keine Chance. Es war das elfte Tor unseres Katalanen.

In der Folge konnte man sehen: Wir sind zurück in der Partie! Unser Sturmduo Itten und Demirović sorgte für Gefahr wie auch Lukas Görtler, dessen Schuss von der Strafraumgrenze in der 33. Minute knapp über das Tor strich. Doch noch besser ist unsere Nummer 16, wenn es darum geht, die Tore vorzubereiten. In der 39. Minute flankte er von der Seitenauslinie so gefühlvoll auf den hinteren linken Pfosten, dass sich Victor Ruiz im Rücken seines Gegenspielers absetzen und den Ball ins Tor schieben konnte. Das 2:1 - eine Fussballsymphonie der beiden Künstler, wobei der Pass Weltklasse war.


Lavanchy macht den Görtler

Nach dem Seitenwechsel begann das Spiel denkbar ungünstig. Die Luganesi kamen durch ein von unseren Spielern moniertes Handspiel im Mittelkreis sogleich an den Ball, der bei Lavanchy landete. Und dieser packte auch mal einen Görtler aus – sprich einen Traumpass. Die lange Flanke landete bei Gerndt, welcher mit einem Kopfball Zigi überlobbte. Gerade einmal 15 Sekunden dauerte es bis zum Ausgleich.

Doch auch diesmal steckte unser Team den erneuten Nackenschlag gut weg. Schon in der 48. Minute konnten wir den nächsten Corner treten. Zuerst schien der Ball von den Luganesi abgewehrt, aber sensationell, wie Miro Muheim den Befreiungsschlag aus der Luft abnahm und direkt auf Ruiz weiterleitete. Der zog in Richtung Sechzehner und schoss von der Strafraumgrenze flach ins untere rechte Toreck. 3:2 für uns, die Antwort war eindrücklich.


Demirovic zeigt, Görtler macht

Doch die Antwort blieb nicht bestehen, weil Ermedin Demirović beim Schuss die Sicht von Goalie Baumann verdeckt hatte. Alessandro Dudic hatte nach Überprüfung der TV-Bilder keine andere Wahl, als den Treffer abzuerkennen.

Aber auch diesen Rückschlag nahmen unsere Espen hin, als wäre nichts gewesen. In der 54. Minute erfolgte der nächste Angriff von uns über rechts. Der Ball zirkulierte gut in unseren Reihen: von Ribeiro auf Itten, auf Ruiz, wieder auf Ribeiro und zurück zu Görtler. Und dieser sah Demirović im Strafraum, wie er mit der Hand das Zeichen gab «spiel mir den Ball in den Lauf». Görtler tat, wie ihm gesagt, chipte den Ball aus knapp 30 Metern Torentfernung von halbrechts butterweich in den Strafraum, wo Demirović mit einem herrlichen Hechtkopfball an der Fünfergrenze das 3:2 erzielte. Das zwölfte Saisontor von Ermedin Demirović.


Hefti und Görtler in Genf gesperrt

Lugano liess sich jedoch ebenfalls nicht hängen und zeigte, weshalb sowohl YB wie auch Basel keinen Punkt aus dem Tessin mitgenommen hatten. Die Gastgeber hatten immer wieder gefährliche Angriffe, wobei auch wir immer wieder vor Baumann für Unruhe sorgten. Doch ab der 80. Minute wurde der Trip ins Tessin so richtig teuer für uns. Zuerst sah Silvan Hefti Gelb. Es war seine vierte, was eine Spielsperre gegen Servette am Sonntag bedeutet. Und nur zwei Minuten später fiel der Ausgleich nach einem Angriff auf der linken Seite, als Hefti Sabbatini nicht an der Flanke hindern konnte. Am hinteren rechten Pfosten stand Lavanchy, der Zigi gegen die Laufrichtung erwischte.

Und als wäre der späte Ausgleich nicht genug, so sah auch Lukas Görtler in der 92. Minute noch Gelb. Bei ihm war es die achte, was ebenfalls einen Strafsonntag zur Folge hat. Doch man muss auch erwähnen, dass nur eine Minute zuvor Lugano durch einen Freistoss von Lovric gar noch hätte gewinnen können. Dieser flog aber glücklicherweise nur Zentimeter am Lattenkreuz vorbei. Das wäre dann aber des Schlechten doch zu viel gewesen. (mna)

 

FC Lugano - FC St.Gallen 1879 3:3 (1:2)

Cornaredo - 1'000 Zuschauer (Coronarichtlinien) - SR Alessandro Dudic.

Tore: 10. Sabbatini 1:0, 26. Quintillà (Pen.) 1:1, 39. Ruiz 1:2, 46. Gerndt 2:2, 54. Demirović 2:3, 83. Lavanchy 3:3.

Lugano: Baumann; Kecskes, Maric, Pavlovic (79. Jefferson); Covilo; Lavanchy, Sabbattini (Cap.), Guidotti (46. Lovric), Yao; Gerndt (76. Lungoyi), Janga (46. Holender).

St.Gallen: Zigi; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard (23. Ribeiro), Muheim; Görtler, Qunitillà, Ruiz (68. Rüfli); Demirović (83. Nuhu), Fazliji, Itten (83. Bakayoko).

Verwarnungen: 41. Covilo (Foul), 74. Yao (Foul), 77. Maric (Foul), 81. Hefti (Foul), 90. Ribeiro (Unsportlichkeit), 92. Görtler (Foul).

Bemerkungen: Lugano ohne Bottani, Custodio, Daprelà, Macek (alle verletzt), Untersee, Rodriguez (beide nicht im Aufgebot). St.Gallen mit Klinsmann, Bakayoko, Ribeiro, Staubli, Kräuchi, Nuhu, Rüfli (Ersatzbank) und ohne Guillemenot (gesperrt), Costanzo, Ajeti, Gonzalez, Babic, Lüchinger (alle verletzt), Strübi, Abaz, Alves, Vilotic, Solimando, Campos (alle nicht im Aufgebot).