Demirović trifft wieder

FC St.Gallen 1879 - FC Sion 2:1 (2:1) Mo, 06.07.2020 Spielberichte

Lange hat er kein Tor mehr geschossen, obwohl er in jedem Spiel Vollgas gibt und viel fürs Team arbeitet. Gegen Sion schnürt Ermedin Demirovic einen Doppelpack und schiesst uns zum nächsten Sieg.

Es war eine lange Durststrecke für einen wie ihn. Letztmals hatte Ermedin Demirović am 26. Januar beim 3:1 Heimsieg gegen Lugano getroffen. In den darauf folgenden sieben Spielen blieb unsere Nummer 10 torlos, obwohl er sich Spiel für Spiel für die Mannschaft zerriss und immer Vollgas gab. Doch heute sollte dieser zwischenzeitliche Knoten endlich platzen.

Ein anderer Spieler wartet hingegen immer noch auf seine Torpremiere, auch wenn er sie mit seinen starken Leistungen längst verdient hätte: Miro Muheim zeigt auf der linken Aussenbahn Woche für Woche, dass er mit ein Grund für unseren Höhenflug ist. Er hätte sich seinen ersten Treffer endlich verdient. Nahe dran war er in der fünften Minute, als Victor Ruiz den zweiten Eckball treten konnte. Anstelle einer Flanke vor das Tor spielte Ruiz in den Rücken der Abwehr auf den aufgerückten Muheim, dessen Direktschuss aus halblinker Position nur Zentimeter rechts von Fickentschers Gehäuse flach vorbei zischte.


Ruiz als Standardschütze

Eine Minute später bereits der dritte Eckball durch Ruiz, der seinen gesperrten Landsmann Jordi Quintillà bei den stehenden Bällen vertrat. Demirović näherte sich mit einem Kopfball bereits mal dem Tor an, auch wenn der Ball vorerst über das Tor flog. Und der gebürtige Hamburger mit bosnischem Pass stellet in der achten Minute weiter unter Beweis, dass er heute unbedingt treffen will. Aus spitzem Winkel schoss er und zwang Fickentscher im Sion-Tor zur nächsten Abwehr.

Der grün-weisse Express rollte weiter, die Gäste kamen kaum zu einer Verschnaufpause. Und Jean Ruiz konnte sich in der elften Minute nur mit einem harten Foul gegen seinen Namensvetter Victor behelfen, was ihm die erste Verwarnung des Spiels einbrachte. Miro Muheim täuschte den fälligen Freistoss an, Victor Ruiz schoss schliesslich, doch die Mauer wehrte zum nächsten Corner ab.


Doppelpack in sieben Minuten

Logisch trat Ruiz auch diesen dritten Eckball und fand den Kopf von Jérémy Guillemenot. Uldrikis konnte den Kopfball zwar noch vor der Linie blocken, doch Demirović stand goldrichtig und versenkte den Nachschuss in der rechten unteren Torecke. Bezeichnend für den Zusammenhalt des Teams auch der Torjubel danach, als die ganze Mannschaft sich hinter Demi versammelte und mit ihm in die Kamera jubelte.

In der 19. Minute ein Einwurf auf der rechten Seite, Lukas Görtler wurde angespielt. Der flankte von der Grundlinie den Ball vor das Tor, wo Demirović wieder zum Kopfball hochstieg. Der erste Abschlussversuch landete an der Latte, sprang aber wieder zurück ins Feld und erneut vor die Füsse von Demirovic. Also eigentlich vor seinen Kopf – und der zweite Versuch sass dann auch.


«Team hat mich immer unterstützt»

Fast ein halbes Jahr – Coronapause inklusive – ohne Treffer, und nun gleich ein Doppelpack innert sieben Minuten, das tat dem Torschützen sichtlich gut. «Aber das Team hat mich auch in den Spielen, als ich nicht getroffen habe, immer unterstützt», sagte Demirović nach dem Spiel und lächelte zufrieden, auch wenn Trainer Peter Zeidler ihn nach einer Stunde vom Platz genommen hat und der Deutsch-Bosnier deswegen etwas angefressen schien. Doch im Hinblick auf die kommenden strengen vier Wochen kann ein ausgeruhter Demirović, der immer weite Wege geht und viel fürs Team arbeitet, noch wertvoller sein.

Seinen zweiten Treffer feierte Demirovic mit Betim Fazliji, indem die beiden den «Commandante»-Jubel zelebrierten und salutierten. Gibt es da einen speziellen Hintergrund? «Das hat Karim Benzema immer gemacht und ich bin ein Fan von ihm», sagt Fazliji, der heute für den gesperrten Quintillà als Sechser spielte.


Fazlijis unglaubliche Bilanz

Und wenn Glücksbringer «Beto» spielt, dann kann eigentlich nichts schief gehen. Ganze 18 mal – das Spiel heute inklusive – stand er diese Saison auf dem Feld. Daraus resultierten 17 Siege und das verrückte 3:3 gegen YB zu Hause. In den zehn Partien ohne Betim Fazliji sieht die unglaubliche Bilanz wie folgt aus: 1 Sieg, 2 Unentschieden, 7 Niederlagen.

Da musste man sich als FCSG-Fan auch nicht gross Sorgen machen, als Fazliji in der 22. Minute im Mittelkreis einen Zweikampf gegen Ndoye verlor. Doch weil unsere Abseitsfalle nicht zuschnappte, konnte plötzlich Itaitinga nach einem wunderschönen Pass von Kasami alleine auf Lawrence Ati Zigi losziehen. Er spielte im richtigen Moment rechts rüber zu Baltazar, der dann ins freie Tor einschieben konnte. Nur noch 2:1, obwohl während 20 Minuten nur Grün-Weiss gespielt und die Partie dominiert hat.


Zwei Topmänner zwischen den Pfosten

Doch unser Team wollte sogleich wieder den alten Zwei-Tore-Vorsprung wieder herstellen. Muheim und Demirović spielten in der 32. Minute einen Doppelpass im gegnerischen Sechzehner, aber Muheim hatte bei seinem Schuss etwas Rücklage, der Ball flog aus spitzem Winkel über das Tor. Zwei Minuten später spielte Lukas Görtler einen Superpass in die Tiefe auf Jérémy Guillemenot. Und dessen flache Hereingabe zur Mitte auf Cedric Itten war ebenfalls grosse Klasse, doch einer überragte das Trio noch: Goalie Fickentschers Parade war sensationell und verhinderte das schon sicher geglaubte 3:1.

Doch im direkten Gegenzug brauchte es nur Sekunden später auch in unserem Tor einen Topmann. Und den haben wir Gott sei Dank zwischen den Pfosten. Kasami wurde im Laufduell mit Leonidas Stergiou zwar leicht abgedrängt, brachte den Ball aber doch noch auf den ersten Pfosten, wo Uldrikis am Rande der Legalität Silvan Hefti zu Fall brachte, aber dann an Lawrence Ati Zigi scheitert.


Drückend überlegen und ein zugedrücktes Auge

Bis zur Halbzeitpause blieben wir drückend überlegen. Die Statistiken verdeutlichen dies mit 8:2 Eckbällen und 15:3 Schüssen aufs oder in Richtung Tor, wobei die Sittener nach dem Anschlusstreffer wieder etwas Hoffnung geschöpft haben und doch einige Angriffe verzeichnen konnten. So richtig gefährlich wurde es aber nicht mehr vor dem Seitenwechsel.

Und als es für die Sittener gefährlich werden könnte – bereits in der Nachspielzeit – da riss der bereits verwarnte Jean Ruiz Lukas Görtler zu Boden. Schiedsrichter Adrien Jaccottet drückte nochmals ein Auge zu und liess Gnade vor Platzverweis ergehen. Sions Coach Tramezzani registrierte das ebenfalls und schickte Jean Ruiz nach der Pause nicht mehr aufs Feld.


Systemwechsel von Peter Zeidler

Ebenfalls in der Kabine blieb Jérémy Guillemenot. Peter Zeidler brachte für ihn Vincent Rüfli und stellte ihn neben Betim Fazliji ins zentrale Mittelfeld. Die warmen Temperaturen von gegen 30 Grad sowie die strengen Wochen liessen unseren Cheftrainer gewisse taktische Änderungen im System vornehmen. Anstelle der Raute liess er nun mit zwei Sechsern spielen und die Pressinglinie etwas zurücknehmen.

Zwei Schrecksekunden gab es für uns bis zur 60. Minute doch noch. Zuerst ging Lukas Görtler bei einem Zweikampf zu Boden und hielt sich den Knöchel, und in der 58. Minute lag der Ball dann plötzlich im Tor. Doch zum Glück stand Uldrikis im Abseits, der Treffer zählte zurecht nicht, wie die TV-Bilder deutlich zeigten.


«Miro! Miro!»

In der 61. Minute nahm Miro Muheim einen weiteren Anlauf für ein Tor, doch wie schon in der fünften Minute ging sein Flachschuss aus über 20 Metern Torentfernung von halb links ultraknapp rechts am Tor vorbei.

Vier Minuten später ein gefährlicher Konter der Sittener, doch diesmal brillierte Muheim in der Defensive und lief seinen Gegenspieler ab, klärte so souverän die brenzlige Situation, was die Gegentribüne zu Standing Ovations und spontanen «Miro! Miro!»-Rufen verleitete.


Doppelter Doppelpass

In der 75. Minute folgte dann ein doppelter Doppelpass: Görtler auf Ribeiro auf Görtler auf Ribeiro, doch dieser schlenzte den Ball nach toller Annahme im Lauf mit dem Aussenrist über die Latte. Wiederum im direkten Gegenstoss tauchte plötzlich Stojilkovic nach einem seltenen Lapsus von Yannis Letard vor Zigi auf, doch der war heute so bärenstark wie unser Maskottchen Gallus.

Bis zum Ende der Partie mit den drei Nachspielminuten hatten wir aber mehrheitlich alles im Griff, auch wenn Sion nochmal alles versuchte und auch Goalie Fickentscher noch in unserem Strafraum auftauchte. Beinahe gelang uns noch mit einem Weitschuss das 3:1, weil Fickentscher zuerst zurückeilen musste, aber der Schuss von André Ribeiro von weit hinter der Mittellinie flog dann doch deutlich am leeren Tor vorbei. So fiel der Sieg wiederum knapp aus; drei Punkte gibt er trotzdem und festigt unsere Leaderposition. (mna)

 

FC St.Gallen 1879 - FC Sion 2:1 (2:1) 

kybunpark - 1'000 Zuschauer (Coronarichtlinien) - SR Adrien Jaccottet.

Tore: 12. Demirovic 1:0, 19. Demirovic 2:0, 22. Baltazar 2:1.

St.Gallen: Zigi; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard (81. Nuhu), Muheim; Görtler, Fazliji, V. Ruiz (61. Bakayoko); Itten, Guillemenot (46. Rüfli), Demirovic (61. Ribeiro).

Sion: Fickentscher; Maceriras (87. Facchinetti), Bamert, Abdellaoui (46. Khasa), Theler; Baltazar, Ndoye, J. Ruiz (46. Kabashi), Itaitinga (71. Stojilkovic); Kasami; Uldrikis (81. Fortune).

Verwarnungen: 11. J. Ruiz (Foul), 45. Guillemenot (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 78. Baltazar (Foul), 85. Fortune (Foul), 90. Rüfli (Foul).

Bemerkungen: St.Gallen mit Klinsmann, Bakayoko, Ribeiro, Staubli, Kräuchi, Nuhu, Rüfli (Ersatzbank) und ohne Quintillà (gesperrt), Costanzo, Gonzalez, Babic, Ajeti, Lüchinger (alle verletzt), Strübi, Abaz, Vilotiv, Alves, Campos, Solimando (alle nichtim Aufgebot). Sion ohne Grgic (gesperrt), Raphael, Andersson, Toma, Luan, Lenjani, Cavaré (alle verletzt). - 19. Kopfball von Demirovic an die Latte. - 58. Tor von Uldrikis wegen Abseits aberkannt.