Zigi hext uns zurück an die Spitze

FC St.Gallen 1879 - Servette FC 1:0 (1:0) So, 09.02.2020 Spielberichte

Ein aufwühlendes Spiel gegen einen starken Gegner, doch am Ende besiegen wir Servette mit 1:0 dank eines Tores von Cedric Itten und dank vier Glanzparaden von Lawrence Ati Zigi. Die letzten 15 Minuten spielen wir zudem in Unterzahl, weil Victor Ruiz nach einem Foul an ihm nachtritt und Rot sieht.

Nach dem Spitzenspiel in Basel, in welchem wir als Zweiter den Dritten besiegten, stand heute das nächste Spitzenspiel auf dem Programm. Zumindest, wenn man die letzten neun Spiele als Grundlage nimmt. Die Genfer holten aus diesen Partien 22 Punkte, wir 21. Als Vergleich: YB holte 16 Punkte, der FC Basel gar nur 10. Spitzenspiele mit dem FCSG, daran kann man sich gewöhnen.

Gewöhnt hat man sich auch, dass der Durchschnitt der Zuschauerzahlen dank der attraktiven Spielweise des Teams stets nach oben ging. In den ersten fünf Heimspielen dieser Saison betrug der Schnitt 11336, in den Heimspielen 6 bis 10 betrug der Schnitt dann bereits 15062. Und heute Sonntag kamen noch einmal mehr. 16256 Fans wollten sehen, wie wir die Tabellenführung vom Meister YB zurückerobern.

Anfangsfeuerwerk der Espen

Gewöhnt haben sich die Zuschauer auch an das Feuerwerk, das meist schon vor der ersten Minute an gezündet wird – also das Feuerwerk unserer Spieler wohlverstanden. Die erste Rakete schiesst Jordi Quintillà in der fünften Minute ab. Ideal von Lukas Görtler von der Torlinie eingesetzt, zwingt unser Katalane mit seiner Direktabnahme aus 20 Metern Servette-Goalie Frick zu einer ersten Parade. Alleine in der ersten Viertelstunde haben wir eine Handvoll guter Angriffe.

Dann aber machen auch die Gäste klar, weshalb sie neben uns das formstärkste Team der Liga sind und unter Trainer Alain Geiger ebenfalls attraktiven Offensivfussball spielen. Plötzlich laufen in der 20. Minute die drei Genfer Stevanovic, Koné und Park alleine auf Lawrence Ati Zigi zu, doch unser Goalie wehrt den Schuss von Stevanovic zum Eckball ab. «Zigi»-Rufe hallen wiederum durch den kybunpark.

Kurze Druckphase der Servettiens

Kurz danach in der 23. Minute kommt auch Koné zu einer Chance per Kopf, auch wenn er knapp im Abseits steht. Und zwei Minuten später schiesst Tasar den Ball ins Netz – aber auch er ist im Abseits gestanden, wenn auch diesmal deutlich. Dennoch deuten die Gäste an, dass sie uns die drei Punkte nicht einfach so überlassen.

Für drei Punkte muss man aber Tore erzielen – und zwar reguläre. Nur eine Minute nach dem annullierten Treffer von Tasar treten wir unseren dritten Eckball. Victor Ruiz flankt den Ball zum ersten Pfosten, wo Ermedin Demirovic mit dem Kopf verlängert. Hinten am zweiten Pfosten fällt der Ball Lukas Görtler auf den Kopf, und von da fliegt der Ball an den Pfosten (26.).

Pfostentreffer zwei und drei

In der 32. Minute kommt dann Quintillà zentral vor dem Tor an den Ball. Er macht einige Schritte und schiesst dann flach aus 25 Metern – wieder an den Pfosten. Von dort prallt der Ball ab und fliegt hinter Goalie Frick der Torlinie entlang wieder zurück ins Feld. Es ist bereits der zehnte Aluminiumtreffer der Saison für die Espen.

Es geht weiter mit den Pfostenschüssen im Sechs-Minuten-Takt, wenn auch diesmal mit Happy End. Captain Silvan Hefti stürmt durch die Mitte und ist nicht vom Ball zu trennen. Dann spielt er, umringt von fünf Genfern, den Ball klug rechts raus zu Cedric Itten. Und dieser mit viel Zug zum Tor, haut den Ball aus spitzem Winkel via linken Innenpfosten zum 1:0 rein.

Wirbelwind Park muss angeschlagen raus

Der Treffer fiel just in der Phase, als der Koreaner Park sich draussen pflegen lassen musste. Und ausgerechnet über die Seite, auf der der wirblige Angreifer der Genfer spielte und nun fehlte, um den Sturmlauf Heftis zu unterbinden. Park wurde dann auch in der 40. Minute ersetzt, wohl wegen Adduktorenproblemen.

Und beinahe glückt Silvan Hefti in der 44. Minute noch selber ein Treffer. Ruiz im Doppelpass mit Itten, dann dem Pass auf Hefti, und der scheitert an Goalie Frick, der den Hammer von halb rechts mit den Fingerspitzen über die Latte lenken kann. Die Führung zur Pause ist absolut verdient.

Glanztaten von Zigi

In der Viertelstunde nach Wiederanpfiff läuft nicht viel, wenn man die erste Halbzeit als Massstab nimmt. Doch dann bekommt unser Goalie gleich mehrfach die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. In der 60. Minute rennt Tasar der linken Seitenlinie entlang und spielt dann den Steilpass zur Mitte auf Koné, der aber an Zigi scheitert.

In der 67. Minute kommt Iapichino ebenfalls von links zum Abschluss – wieder bleibt Zigi Sieger. Und eine Minute darauf wehrt der Ghanaer auch noch gegen Kyei sensationell ab. Hexer Zigi wird vom Espenblock hinter ihm frenetisch mit Sprechchören gefeiert.

Blackout von Ruiz

Die Partie ist bis dahin zwar intensiv, doch Schiedsrichter Luca Piccolo muss bis zur 72. Minute auf beiden Seiten nur je einmal Gelb zeigen. Doch dann liegen plötzlich die Nerven blank und es kommt zur Rudelbildung, als Sauthier Ruiz auf der Strafraumgrenze in die Beine steigt. Kein Pfiff von Piccolo, doch Ruiz lässt sich zu einem Nachtreten hinreissen. Rouiller ist sofort zur Stelle und fasst Ruiz an den Hals. Boris Babic wiederum verteidigt darauf seinen Teamkollegen und versucht Rouiller wiederum wegzuschieben, und schliesslich stösst auch noch Stevanovic dazu und herum.

Piccolo jedoch behält die Ruhe und dank des VAR wohl auch die Übersicht. Provokateur Rouiller sieht Gelb, Ruiz jedoch muss vom Platz, während Sauthier, Babic und Stevanovic ohne Sanktion davonkommen. Dem jungen Unparteiischen darf für die besonnene Art durchaus ein Kränzchen gewunden werden, auch wenn er Rouiller auch etwas härter hätte bestrafen können.

Entschuldigung auf Social Media

Victor Ruiz war sich jedoch sogleich bewusst, dass er eine Dummheit begangen hatte, und entschuldigte sich auch beim Schiedsrichter in der Kabine sowie auf seinem Instagram-Account beim FCSG und dessen Fans. Und er versprach, in den kommenden Wochen das ihm geschenkte Vertrauen mit harter Arbeit zurückzuzahlen. Die Reaktionen der Fans zeigen, dass sie ihm in keinster Weise böse sind und trotzdem hinter ihrer Nummer 7 stehen.

Sicher auch deshalb, weil der Platzverweis keine negativen Folgen mehr hat. Zwar gibt es in den verbleibenden 15 Minuten noch vier weitere gelbe Karten, aber keine wirklichen Torchancen mehr. Unsere Espen verteidigen den knappen Vorsprung mit ein bisschen Glück und viel viel Herz über die Zeit und holen sich so die Tabellenführung wieder zurück.

Die beiden Besten in diesem Jahr

Nun kommt es am nächsten Sonntag erneut zu einem Spitzenspiel – diesmal beim FC Luzern. Das ist eher überraschend, denn in der Winterpause entliessen die Luzerner ihren Trainer Thomas Häberli und holten Fabio Celestini. Unter ihm holten die Leuchtenstädter in den drei Spielen der Rückrunde neun Punkte bei einem Torverhältnis von 6:2. Auch wir haben in diesem Jahr neun Punkte und 6:2 Tore auf dem Konto, so dass die beiden besten Teams des Jahres 2020 aufeinandertreffen. Bald jedes Wochenende ein Spitzenspiel mit FCSG-Beteiligung? Auch daran könnte man sich gerne gewöhnen. (mna)

 

FC St.Gallen 1879 - Servette FC 1:0 (1:0)

kybunpark - 16'256 Zuschauer - SR Luca Piccolo.

Tore: 38. Itten 1:0.

St.Gallen: Zigi; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard, Fazliji; Görtler, Quintillà, Ruiz; Itten (92. Bakayoko), Guillemenot (69. Babic), Demirovic (78. Rüfli).

Servette: Frick; Sauthier (Cap.) (82. Imeri), Rouiller, Sasso, Iapichino; Cespedes, Cognat; Stevanovic, Tasar, Park (40. Kyei); Koné (70. Ricardo Alves).

Verwarnungen: 8. Koné (Foul), 43. Quintillà (Foul), 72. Sasso (Foul), 78, Rouiller (Unsportlichkeit), 80. Görtler (Foul), 81. Cespedes (Foul), 90. Fazliji (Foul), 93. Imeri (Foul).

Bemerkungen: St.Gallen mit Abaz, Bakayoko, Ribeiro, Ajeti, Staubli, Babic, Rüfli (Ersatzbank) und ohne Muheim (gesperrt), Klinsmann, Kräuchi (krank), Strübi, Nuhu, Lüchinger (verletzt), Alves, Vilotic, Costanzo, Solimando, Kchouk, Campos (nicht im Aufgebot). Servette ohne Ondoua (gesperrt), Schalk (verletzt), Severin, Souici, Lang, Wüthrich, Castanheira (nicht im Aufgebot). - 26. Pfostenkopfball von Görtler. - 32. Pfostenschuss von Quintillà. - 78. Rote Karte für Ruiz (Tätlichkeit).