Rückrundenstart geglückt

FC St.Gallen 1879 - FC Lugano 3:1 (0:1) So, 26.01.2020 Spielberichte Bildbeschreibung

Mit einer Leistungssteigerung nach der Pause behielt unsere Mannschaft die drei Punkte in der Ostschweiz und klettert auf Platz 2 in der Tabelle. Victor Ruiz trifft doppelt.

"Vor was habt ihr Angst, Jungs?", hat Trainer Peter Zeidler seine Spieler in der Halbzeit gefragt. Mit 0:1 lagen sie da gegen Lugano zurück. Und weil ihm niemand eine Antwort geben konnte, sagte er zu ihnen, sie sollen jetzt rausgehen, spielen und mutig sein. In der Tat wirkte unsere Mannschaft etwas gehemmt in den ersten 45 Minuten, in denen sie zwar mehr Ballbesitz hatte und den Gegner immer wieder früh in dessen Platzhälfte zu stören versuchte, "aber irgendwie kamen wir nicht so richtig ins Gegenpressing hinein", erkannte auch Ermedin Demirovic nach dem Spiel.

Die Folge war, dass weder Lugano noch das Team von Peter Zeidler sich viele Torchancen erarbeiten konnten. Doch die Gäste aus dem Tessin nutzten eine der wenigen in der 39. Minute, als Lavanchy mit viel Zug nach vorne auf der rechten Seite durch brach und zur Mitte flankte, wo Bottani den Ball mit dem Kopf optimal in die weite linke Ecke ablenkte. Unser neuer Goalie Lawrence Ati Zigi flog zwar herrlich, streckte sich aber vergeblich nach dem Ball und musste diesen das erste Mal aus dem Netz holen.

"Zigi"-Sprechchöre nach 22 Minuten

Die andere Grosschance der Luganesi hatte Zigi in der 22. Minute noch vereitelt, als plötzlich Holender nach einem Steilpass vor ihm stand. Doch der Ghanaer wehrte sensationell ab und avancierte damit schon früh zum neuen Publikumsliebling. Das zeigte sich insbesondere in Halbzeit zwei, in der Zigi dann nicht mehr viel zu tun hatte, aber vom Espenblock dennoch mit "Zigi"-Sprechchören gefeiert wurde.

Gefeiert wurde am Ende jedoch die ganze Mannschaft, denn die setzte nach der Pause zu einem Steigerungslauf an, spielte nun wie von ihrem Chef gefordert mutig und unbeschwert nach vorne, wie man es vor der Winterpause von ihr gewohnt war und von ihr verwöhnt wurde. "Und natürlich fiel das Tor auch zum richtigen Zeitpunkt", konstatierte Peter Zeidler. "Wenn es noch länger gegangen wäre...", sagt er und liess seine Gedanken offen.

Neuntes Tor von Demirovic

55 Minuten dauerte es. Der FC St.Gallen war einmal mehr im Angriff und setzte sich im und um den Strafraum der Tessiner fest. Cedric Itten spielte aus der Drehung den Ball rechts rüber zu Sturmpartner Ermedin Demirovic. Dieser fackelte nicht lange und hämmerte den Ball in die nahe Ecke, dass Lugano-Goalie Baumann nicht wusste, wie ihm geschieht.

Damit war der Bann gebrochen - oder auch der Damm. Wie man möchte. Denn nun war sie da, die grün-weisse Welle, die über den FC Lugano hinwegschwappte und diesen nass machte. Keine hundert Sekunden später der nächste Angriff, bei dem unser Captain Silvan Hefti aus kurzer Distanz und spitzem Winkel aufs Tor schoss. Der Schuss wurde noch abgewehrt, der Nachschuss von Lukas Görtler ebenfalls, doch gegen Victor Ruiz Abschluss waren sämtliche Tessiner dann machtlos. Die Partie war fast innert Minutenfrist gedreht.

Getragen von Emotionen und Publikum

Lugano blieb nicht ungefährlich, aber dennoch hatten unsere Espen das Spiel nun im Griff, "getragen von den Emotionen und dem Publikum", sagte Peter Zeidler an der Medienkonferenz. Irgendwie hatte man nicht das Gefühl, dass Zeidlers Team das Heft nochmals aus der Hand geben könnte, doch alle warteten dennoch auf das erlösende 3:1. Das kam eine Viertelstunde nach dem 2:1 und wieder war es Victor Ruiz, der in der ersten Halbzeit wie auch seine Mitspieler noch nicht richtig in die Gänge gekommen ist. Wieder war es Cedric Itten, der nach einem Doppelpass mit Demirovic den Ball querlegte, und Ruiz schlenzte diesen dann wunderschön ins linke hohe Eck. Baumann blieb wie angewurzelt auf der Linie stehen.

Danach setzte unser Team zur Gala an, auch wenn sie kein Tor mehr folgen liess bis zum Ende, aber noch genügend Chancen dazu hatte. Doch zwei Tolggen im Reinheft gab es dennoch an diesem sonst so erfeulichen Abend: Ermedin Demirovic und Yannis Letard werden in Basel wegen einer Gelbsperre fehlen. "Ich war brutal niedergeschlagen", meinte Torschütze Demirovic, als er den Moment beschrieb, als er verwarnt wurde und realisierte, dass er im Spitzenspiel am nächsten Sonntag fehlen wird. Doch sei das Team so gut, dass es auch ohne ihn in Basel bestehen könne, sagte er voller Überzeugung.

Erster Verfolger von YB

Es wird das Spitzenspiel Zweiter gegen Dritter sein. Ungewöhnlich ist jedoch, dass nicht Marcel Kollers Team erster Verfolger von Meister und Leader YB ist, sondern der FCSG. Wir liegen nun zwei Punkte vor dem FCB, der seinerseits nach der Niederlage gegen YB schon fünf Punkte hinter der Spitze liegt. Zudem müssen auch die Basler eine gewichtige Absenz hinnehmen: Verteidiger Aldarete leistete sich noch eine dumme Ampelkarte, als das Spiel schon entschieden war. (mna)

 

FC St.Gallen 1879 - FC Lugano 3:1 (0:1)

kybunpark - 11'133 Zuschauer - SR Alain Bieri.

Tore: 39. Bottani 0:1, 55. Demirovic 1:1, 57. Ruiz 2:1, 73. Ruiz 3:1.

St.Gallen: Zigi; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard, Muheim; Görtler, Quintillà, Ruiz (78. Fazliji); Itten, Guillemenot (67. Babic), Demirovic (89. Ribeiro).

Lugano: Baumann; Lavanchy, Maric, Sulmoni, Obexer; Sabbatini (Cap.); Custodio (62. Covilo), Lovric (70. Gerndt); Bottani, Holender, Aratore (77. Sasere).

Verwarnungen: 23. Demirovic (Foul), 53. Custodio (Unsportlichkeit), 83. Letard (Foul).

Bemerkungen: St.Gallen mit Abaz, Bakayoko, Ribeiro, Fazliji, Staubli, Kräuchi, Babic (Ersatzbank) und ohne Klinsmann, Strübi, Nuhu, Lüchinger (verletzt), Alves, Vilotic, Costanzo, Ajeti, Solimando, Kchouk, Campos, Rüfli (nicht im Aufgebot). Lugano ohne Yao, Guidotti, Crnigoj, Rodriguez, Soldini, Macek (nicht im Aufgebot).