Mit einer Enttäuschung in die Winterpause

FC St.Gallen 1879 - FC Zürich 1:3 (1:2) Sa, 14.12.2019 Spielberichte Bildbeschreibung

Gegen einen effizienten FC Zürich gelingt es uns nicht, vor ausverkauften Rängen das letzte Spiel der Hinrunde zu gewinnen. Jordi Quintillà trifft vom Elfmeterpunkt, Ermedin Demirovic anschliessend nur die Latte. Das Spiel lief heute nicht für uns.

Als die Spieler sich auf dem Rasen vom Publikum verabschiedet hatten und in die Kabinen gingen, da stand ihnen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Jordi Quintillàs Blick war leer, obwohl er an diesem Samstagabend sein neuntes Tor geschossen und eine fantastische Hinrunde gespielt hatte. Wie auch seine übrigen Mitspieler. Dafür wurden sie vom Publikum gefeiert und mit Sprechchören in die Winterpause verabschiedet. Doch das war in diesem Moment nur ein schwacher Trost, denn das Team musste soeben gegen den FC Zürich eine 1:3-Niederlage einstecken.

Dabei war alles angerichtet gewesen für ein Fussballfest. Die Plattform vor dem Stadion hatte sich in einen "Winterzauber" verwandelt, die Besucher waren schon früh vor dem Spiel da, um sich zwischen unzähligen Tannenbäumchen bei Glühwein, Risotto und vielen anderen leckeren Sachen auf die letzte Heimpartie einzustimmen. Die Tageskassen waren schon gar nicht mehr geöffnet worden, weil der kybunpark mit 19'024 Zuschauern bereits im Vorfeld ausverkauft war.

Kalte Dusche nach drei Minuten

Doch die kalte Dusche kam bereits kurz nach Anpfiff, beim zweiten Angriff der Gäste. Kramer kam über links, spielte zur Mitte zu Schönbächler, der von der Strafraumgrenze abzog. Der Schuss wäre wohl für Dejan Stojanovic kein grosses Problem gewesen, doch Miro Muheim lenkte den Ball so unglücklich ab, dass unser Goalie gegen die Laufrichtung erwischt wurde und der Ball in die linke Torecke kullerte. Ein denkbar schlechter Beginn für ein Fussballfest.

Die frühe Führung spielte dem Team von Ludovic Magnin in die Karten. "Wir haben nun Plan B ausgepackt und haben uns dann zurückgezogen, um auf Konter zu spielen, weil St. Gallen eine unglaublich spielstarke Mannschaft hat", sage der Trainer der Zürcher an der Medienkonferenz nach dem Spiel. Nach dem 0:1 kamen wir zwar vermehrt zu Eckbällen und Chancen, doch so richtig fanden wir noch nicht in die Partie. Zu massiert und kompakt standen die Gäste in der Abwehr.

Sturmlauf nach dem Ausgleich

Aufregung gab es in der 24. Minute, als Schiedsrichter Fedayi San sich während einer Minute ans Ohr fasste und mit VAR Sascha Kever in Volketswil zu diskutieren schien. Voraus ging eine Szene im Zürcher Strafraum und die Espenfans machen sich bereits Hoffnung - doch am Ende ging es ganz normal weiter, ohne dass San die TV-Bilder konsultiert hätte. Diese brauchte er drei Minuten später nicht, denn zu offensichtlich war das Foul von Kryeziu an Silvan Heft: Penalty! Unser Schütze vom Dienst, Jordi Quintillà, nahm Anlauf und versenkte den Ball, wenn auch mit etwas Glück.

Nach dem Ausgleich drückte unser Team auf die Führung. Boris Babic bot sich in der 32. Minute eine Chance, doch sein Schlenzer flog nur Zentimeter am entfernten rechten Pfosten vorbei ins Toraus. In der 38. Minute suchte Cedric Itten Sturmpartner Ermedin Demirovic, doch der Pass kam nur knapp nicht an. Und Demirovic bleib im Fokus, denn in derselben Minute hatte er eine weitere dicke Chance. Er dribbelte Kryeziu Knoten in die Beine, schlenzte den Ball... an die Latte! Damit war unser Sturmlauf noch nicht vorbei, denn nur zwei Minuten später setzte sich Itten toll gegen zwei Gegenspieler durch und legte an der Strafraumgrenze quer für Babic, doch Brecher im FCZ-Tor wehrte den Schuss von Babic ab. Das durfte doch alles nicht wahr sein!

Zwei Penaltys vor der Pause

Dennoch hiess es zur Pause nicht 1:1, denn in der 43. Minute wurde Zürichs Topskorer Kramer steil lanciert. Silvan Hefti grätschte, traf viel Ball und wohl auch ein wenig Mann, doch das reichte für Fedayi San, um auch hier auf Foulpenalty zu entscheiden. Marchesano verwandelte diesen sicher zum 2:1 für die Zürcher.

Es war wohl die Schlüsselszene in diesem Spiel. Wir hatten mehrere Möglichkeiten, um in Führung zu gehen, mussten jedoch erneut einem Rückstand hinterherlaufen, was wieder den Gästen in die Karten spielte. Dass wir zur Pause mit 6:0 Eckbällen in Führung lagen, zeigte zwar auf, wie die Spielanteile verteilt waren, doch in den ersten 45 Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit konnten wir unsere Stärke bei Standardsituationen nicht ausspielen.

Alles auf die Karte Offensive

Nach der Pause setzten wir unsere spielerische Überlegenheit fort, reihten Angriff an Angriff und bei den Cornern stand es mittlerweile 8:0, als Miro Muheim von links zu einer Flanke ansetzte. Diese war jedoch mehr Torschuss als Flanke und stellte Brecher vor erhebliche Probleme. Gerade Muheim wäre ein Treffer zu gönnen gewesen für seine tollen Leistungen in der Hinrunde, doch es sollte nicht sein.

In diesem Stil ging es weiter. Immer wieder FCSG-Angriffe, die Gäste standen kompakt und in der 67. Minute gab es dann auch das erste Mal einen Eckball für sie. In der 71. Minute setzte Peter Zeidler dann alles auf die Karte Offensive, brachte mit Jérémy Guillemenot einen weiteren Stürmer und nahm Innenverteidiger Leonidas Stergiou vom Feld.

Tosin mit der Entscheidung

Dadurch kam der FCZ vermehrt zu Chancen. Tosin verpasste knapp (71.), und beim anschliessenden zweiten Eckball kam Nathan zum Kopfball, den Dejan Stojanovic sensationell über die Latte lenkte. Doch drei Minuten später fiel die Entscheidung, als Marchesano Tosin steil schickte. Dejan Stojanovic kam zwar heraus und konnte Tosin noch abdrängen, doch der brachte aus spitzem Winkel den Ball doch noch aufs Tor und unserem Torwart fehlten Zentimeter, um den Ball noch vor der Linie weggrätschen zu können.

In der letzten Viertelstunde plus Nachspielzeit war danach die Luft draussen, auch wenn unsere Spieler sich zu keiner Zeit aufgaben oder den Kopf hängen liessen. Doch zu clever spielte das Team von Magnin nun den Stiefel runter und brachte den Vorsprung über die Zeit. Hinterher sprach Magnin von "bester Werbung für den Schweizer Fussball", einem Spiel mit unglaublicher Intensität in einem vollen Stadion. Trotz der Niederlage waren auch die St. Galler Zuschauer zufrieden mit ihrer Mannschaft, die mit 35 Punkten aus 18 Spielen die Hinrunde abgeschlossen hat.

Wiedersehen mit Jeff Saibene

"Die Enttäuschung ist gross", sagte Peter Zeidler, doch das motiviere auch, um im kommenden Jahr wieder voll anzugreifen. Unser Trainer blickte bereits wieder nach vorne, denn am 2. Januar empfängt er seine Spieler wieder zum Trainingsauftakt. Vom 4. bis zum 14. Januar wird das Team sich im spanischen La Manga auf die Rückrunde vorbereiten. Dabei kommt es im Testspiel am 7. Januar gegen Ingolstadt zum Wiedersehen mit Jeff Saibene, der die Schanzer trainiert. Ausserdem spielen wir auch noch gegen Bayer 04 Leverkusen am 10. Januar und gegen den belgischen Club KV Oostende am 13. Januar, bevor es wieder zurück in die Ostschweiz geht. (mna)

 

FC St.Gallen 1879 - FC Zürich 1:3 (1:2)

kybunpark - 19'024 Zuschauer (ausverkauft) - SR Fedayi San.

Tore: 3. Schönbächler 0:1, 28. Quintillà 1:1 (Pen.), 44. Marchesano 1:2 (Pen.), 74. Tosin1:3.

St.Gallen: Stojanovic; S. Hefti (Cap.), Stergiou (71. Guillemenot), Letard, Muheim; Görtler, Quintillà, Ruiz; Demirovic, Itten, Babic (84. Staubli).

Zürich: Brecher (Cap.); Rüegg, Nathan, M. Kryeziu, Pa Modou; Sohm, Domgjoni; Tosin, Marchesano (79. Janjicic), Schönbächler (89. Kololli); Kramer (53. Mahi).

Verwarnungen: 15. Görtler (Reklamieren), 15. Letard (Foul), 21. Nathan (Foul), 30. Sohm (Foul), 43. Hefti (Foul), 59. Schönbächler (Foul)..

Bemerkungen: St.Gallen mit Abaz, Wiss, Guillemenot, Costanzo, Fazliji, Staubli, Kräuchi (Ersatzbank) und ohne Klinsmann, Strübi, Bakayoko, Nuhu, Lüchinger (verletzt), Alves, Vilotic, Ribeiro, Ajeti, Solimando, Kchouk, Campos, Rüfli (nicht im Aufgebot). Zürich ohne Charabdze, Winter, Sauter, H. Kryeziu (verletzt), Popovic, Ceesay, Bangura, Aliu, Di Giusto, Zumberi, Kasaï (nicht im Aufgebot). - 38. Lattenschuss von Demirovic. - 89. Pfostenschuss von Mahi.