Drei weitere Tore, drei weitere Punkte

FC St.Gallen 1879 - FC Sion 3:0 (0:0) Sa, 02.11.2019 Spielberichte Bildbeschreibung

Gleich mit 3:0 fegt unsere Mannschaft den FC Sion aus dem kybunpark. Der Sieg ist absolut verdient und hätte noch höher ausfallen können. Nun sind es bereits acht Ligaspiele, in denen wir ungeschlagen sind, und acht Punkte Vorsprung auf Rang 4.

"Bitte nicht aufwecken, ich träume vom FCSG!", schreibt User "Rock'n'Roll, Baby!" nach dem Schlusspfiff ins FCSG-Fan-Forum. So wie ihm dürfte es im Moment allen grün-weissen Anhängern gehen. Der Traum ging auch heute Samstagabend weiter - und 13'750 Zuschauer träumten mit. Abzüglich der Sion-Fans, für die das heutige Spiel eher ein Alptraum war.

Gut träumen dürfte auch Lukas Görtler, auch wenn er uns nach exakt 59 Sekunden hätte in Führung schiessen können. Nein, müssen! Aber unser Kämpfer vor dem Herrn dürfte der einzige sein, der sich über den Fehlschuss gleich zu Spielbeginn ärgert. Alle andern feiern unsere Nummer 16, der auch heute wieder ein schier unmenschliches Laufpensum absolvierte und sich für keinen Zweikampf zu schade war. Dass Görtler kein Tor erzielte, lag aber auch an Sion-Goalie Mitrjuschkin, der in der 61. Minute einen Schuss Görtlers sensationell an den Pfosten lenkte. Nicht so schlimm, denn Demirovic traf nur Sekunden später doch noch zum 2:0.

Statisten beim Galaauftritt

Viel besser als ein Tor von Lukas Görtler heute ist die Tatsache, dass er trotz seiner kämpferischen Spielweise von einer weiteren gelben Karte verschont blieb und somit beim Spitzenspiel gegen YB am nächsten Sonntag mit dabei ist. Auch die anderen beiden Spieler, die bei einer Gelben gesperrt gewesen wären, blieben heute "unverwarnt" - und sie erzielten auch gleich die ersten beiden Tore: Jordi Quintillà und Ermedin Demirovic.

Doch bevor die beiden mit ihren Toren in der 56. und 61. Minute den Sack zumachten, war Geduld gefragt. Was der FC St.Gallen an diesem Abend bot, war einfach sensationell. Bis zur 44. Minute waren die Gäste aus dem Wallis quasi nur Statisten beim Galauftritt unserer Espen. Die Sittener hatten erst eine Minute vor der Halbzeit ihre erste dicke Chance, und liessen gleich noch vor dem Pausenpfiff zwei weitere folgen.

Neun Chancen und eine Superparade

Auf unserer Seite hatten Görtler (1.), Babic (8.), Quintillà (14.), Demirovic (16.), Itten (19.), Ruiz (22.), Babic (25.), Hefti (28.) und Demirovic (29.) noch vor Ablauf der ersten halben Stunde zu teilweise hochkarätigen Chancen. Das Auslassen so vieler Chancen hätte sich beinahe auf dem Fusse gerächt, denn Grgic zirkelte in der 32. Minute einen Freistoss ins Lattenkreuz - aber er hatte die Rechnung ohne Dejan Stojanovic gemacht! Wahnsinn, wie unser Goalie den Ball aus dem Winkel fischte.

Ausser einigen Eckbällen auf beiden Seiten (6:3 nach 45 Minuten) lief bis zur Pause nicht mehr so viel bei uns, aber die Zuschauer wurden ja vorher mehr als verwöhnt. Nur ein Tor fehlte noch zum grün-weissen Glück.

Einer für alle, alle für einen

Die Tore sollten jedoch nicht lange auf sich warten lassen. Doch vor dem 1:0 gab es noch eine bemerkenswerte Szene, die viel über dieses Team aussagt. In der 52. Minute versprang Miro Muheim in der Vorwärtsbewegung ein Ball unglücklich und die Sittener konnten kontern. Ermedin Demirovic spurtete zurück, holte den Sion-Spieler ein und bedrängte ihn dermassen, sodass mittlerweile auch Muheim und die anderen Verteidiger sich hinten wieder sortieren konnten. Es scheint nicht nur so, dass alle für einen und einer für alle gehen. Es ist so.

Vier Minuten später waren dann nicht alle für einen, sondern alle auf einem! Jordi Quintillà lief zu einem Freistoss an, doch er schob den Ball frech und flach am verdutzten Mitrjuschkin vorbei ins lange Eck. Der Sion-Goalie spekulierte auf einen Schuss in die nahe Ecke und sah dabei ziemlich unglücklich aus.

Selbstvertrauen getankt vor dem Spitzenspiel

Fünf Minuten später war dann der Kuchen gegessen, als Görtler den Ball schoss, Mitrjuschkin diesen an den Pfosten lenkte - und Demirovic goldrichtig stand, um zum 2:0 abzustauben. Von da weg waren die Zuschauer nicht mehr zu halten, der kybunpark ein Tollhaus. Und inmitten dieser grün-weissen Glückseligkeit setzte unser Captain noch einen drauf: Doppelpass mit Babic, und dann haut Silvan Hefti den Ball in den rechten Winkel hoch. Ganz genial aber auch die Spieleröffnung von Geburtstagskind Victor Ruiz vor dieser Aktion.

Die letzten 20 Minuten sind nicht mehr besonders erwähnenswert, aber die Atmosphäre war einfach magisch und gigantisch. Die Fans saugten die Euphorie regelrecht auf, und unsere Spieler tankten nochmals ordentlich Selbstvertrauen vor dem schwierigen Auswärtsspiel in einer Woche beim Meister YB. Aber mit so einer Leistung wie heute, ist auch im Stade de Suisse alles möglich. Es wird Zeit, dass wir dort endlich den ersten Sieg einfahren. Träumen ist ja momentan erlaubt bei diesem Team. (mna)

 

FC St.Gallen 1879 - FC Sion 3:0 (0:0)

kybunpark - 13'750 Zuschauer - SR Alain Bieri.

Tore: 56. Quintillà 1:0, 61. Demirovic 2:0, 73. Hefti 3:0.

St.Gallen: Stojanovic; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard, Muheim; Görtler, Quintillà (84. Wiss), Ruiz (75. Fazliji); Babic, Itten, Demirovic (75. Guillemenot).

Sion: Mitrjuschkin; Maceiras, Ndoye, Abdellaoui, Facchinetti (71. Song); Kouassi (Cap.); Kasami, Toma, Grgic (64. Fortune), Lenjani; Doumbia (54. Luan).

Verwarnungen: 13. Kouassi (Foul).

Bemerkungen: St.Gallen mit Klinsmann, Wiss, Guillemenot, Bakayoko, Costanzo, Fazliji, Kräuchi (Ersatzbank) und ohne Strübi, Nuhu, Lüchinger (verletzt), Alves, Vilotic, Ribeiro, Staubli, Solimando, Kchouk, Campos, Rüfli (nicht im Aufgebot). Sion ohne Fickentscher, Raphael, Khasa (verletzt), Andersson, Bamert, Barrenechea, Morgado, Itaitinga, Buchard, André, Adao (nicht im Aufgebot).