Freud und Leid in Lugano

FC Lugano - FC St.Gallen 1879 1:3 (0:2) So, 27.10.2019 Spielberichte Bildbeschreibung

Wir gewinnen im Tessin mit 3:1 dank eines Doppelpacks von Jordi Quintillà und eines herrlichen Treffers von Cedric Itten. Dieser musste jedoch kurz vor Schluss verletzt vom Platz.

"Mein Team war heute von Anfang an parat", sagte Peter Zeidler nach dem Schlusspfiff in einer ersten Analyse. Und wie es das war! In den ersten zehn Minuten spielte sich das Geschehen der Partie vornehmlich in der Hälfte der Luganesi ab. Wir waren stets einen Schritt schneller, waren aggressiver und zeigten zudem Spielfreude. Erst danach kamen auch die Gastgeber dazu, den einen oder anderen Angriff bis zum Tor von Dejan Stojanovic vorzubringen.

Die erste wirklich dicke Chance des Spiels hatte Cedric Itten in der 19. Minute. Der wie immer wirblige Victor Ruiz setzte sich links durch und passte quer vor das Tor, wo der Ball dann nach einer zu kurzen Abwehr Daprelàs bei Itten landete. Dieser schoss, doch Goalie Baumann vereitelte mit einer Flugparade unsere Führung, die schon zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen wäre.

Fünf Tore in der Liga

Es schien, als kämen die Tessiner nach dem Auswärtsspiel in Malmö am Donnerstag nicht so richtig in die Gänge. Auf Seiten Luganos konnte man bis zur Halbzeit nur den einen Torschuss von Marco Aratore in der 25. Minute verzeichnen, doch der nicht sonderlich kräftige Flachschuss aus gut 25 Metern konnte Stojanovic keineswegs beunruhigen.

Anders der Schuss von Itten in der 37. Minute. Zuerst schlug Alain Wiss einen langen Pass aus der eigenen Platzhälfte auf Lukas Görtler. Dieser köpfte den Ball ideal in den Lauf von Itten. Der wiederum fackelte nicht lange und drosch die Kugel nach einmal aufspringen volley aus 18 Metern in die linke untere Ecke. Es war das fünfte Tor unseres Stürmers in der laufenden Meisterschaft, was Platz vier in der Torschützenliste bedeutet.

Jordi Quintillà stand zu diesem Zeitpunkt bei drei Toren. Aber nicht mehr lange, denn fünf Minuten nach dem 1:0 spielte ihm Landsmann Ruiz den Ball zu. Die Luganesi attackierten Quintillà nicht, machten die Passwege zu, die der Spanier eigentlich suchte - und so zog er aus 22 Metern halt selber ab. Der Ball passte genau, der Hechtsprung von Baumann nützte nichts mehr. Doppelschlag unmittelbar vor der Pause.

Ausgerechnet Aratore

In der zweiten Halbzeit machten unsere Espen dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten, nämlich mit einem Angriff in Richtung Lugano Tor. Victor Ruiz spielte in der 49. Minute einen Doppelpass mit Itten und schoss aus rund 18 Metern zentral flach und satt, so dass Baumann gleich zu Beginn wieder gefordert war.

Doch statt 3:0 hiess es zwei Minuten nur noch 2:1 - und ausgerechnet unser Ex-Spieler Marco Aratore erzielte den Anschlusstreffer. Mit einem klugen Doppelpass mit Rodriguez spielte er unsere Hintermannschaft aus und schlenzte den Ball von der Ecke des Fünf-Meter-Raumes via Latte in die entfernte rechte Ecke.

Lugano findet besser ins Spiel

Die Tessiner hatten nun Blut geleckt und Aratore stand am Anfang der nächsten Chance in der 53. Minute. Sein langer Ball von links auf den rechten Pfosten landete bei Dalmonte, doch Stojanovic machte die Lücke zu. Im Gegenzug hatte Boris Babic eine Konterchance in der 55. Minute. Baumann wehrte den Schuss aus spitzem Winkel zwar ab, hatte aber erheblich Mühe und konnte den Ball nicht festhalten. Schade, dass kein Grün-Weisser vor dem Tor lauerte.

Unmittelbar danach wechselte Peter Zeidler zum ersten Mal, brachte Betim Fazliji für Alain Wiss, der muskuläre Probleme bekam. Vielleicht erinnerte sich unser Trainer auch daran, dass wir mit Fazliji stets gepunktet haben. Kurz danach kam auch noch Moreno Costanzo für Babic ins Spiel, denn Lugano fand immer besser in die Partie und wurde gefährlicher.

Kein fussballerischer Leckerbissen

Doch den 3'225 Zuschauern bot sich in der zweiten Halbzeit kein fussballerischer Leckerbissen. Zu verkrampft war das Spiel. Immerhin schienen wir den Gegner unter Kontrolle zu haben, auch wenn dieser immer wieder Nadelstiche setzen konnte. So der eingewechselte Bottani in der 74. Minute, doch sein gefährlicher Schlenzer ging am Tor vorbei. Auch der Kopfball Sabbatinis nach einer Ecke verfehlte das Tor in der 79. Minute nur knapp.

Auf unserer Seite machte Ermedin Demirovic in der 80. Minute mit einem schönen Schuss aus 15 Metern auf sich aufmerksam, doch Baumann lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Fünf Minuten später konnte Lukas Görtler einen Angriff abfangen und spielte ideal in die Gasse für Cedric Itten, doch Baumann hielt auch diesen Schuss aus 15 Metern.

Übles Foul an Itten

Es war die letzte Aktion von unserem Stürmer, denn drei Minuten später musste er den Platz verlassen. Nicht aber wegen eines Wechsel, sondern weil Bottani ihn mit einem üblen Foul auf den Knöchel ummähte. Der bereits verwarnte Bottani sah direkt Rot. In Überzahl konnten wir dennoch nicht spielen, denn für Cedric Itten ging es nicht mehr weiter. Und weil kurz vorher Peter Zeidler Axel Bakayoko für Demirovic eingewechselt hatte, war unser Kontingent bereits erschöpft.

Resultatmässig hatte das keine negativen Auswirkungen für uns. Im Gegenteil. In der 90. Minute zirkelte Jordi Quintillà den Ball aus 17 Metern zentral ins linke Toreck, sicherte somit den Sieg, krönte seine Leistung und ersparte uns ein unnötiges Zittern in der Nachspielzeit. Quintillà schloss mit diesem Treffer auch zu Cedric Itten auf. Wir hoffen natürlich, dass die Verletzung Ittens nicht so gravierend ist, sodass die beiden ihren Torzweikampf schon im nächsten oder übernächsten Spiel fortsetzen können.

Das nächste Spiel ist bereits am kommenden Samstag zu Hause gegen den FC Sion. Mit einem Sieg gegen die Walliser könnte man - egal wie die Konkurrenz spielt - den Vorsprung auf Platz vier auf acht Punkte ausbauen. Nach einem Drittel der Meisterschaft liegen wir zudem nur gerade mal drei Punkte hinter dem Zweitplatzierten Basel, das am Sonntag seine Leaderposition wieder einbüsste. (mna)

 

FC Lugano - FC St.Gallen 1879 1:3 (0:2)

Cornaredo - 3'225 Zuschauer - SR Sandro Schärer.

Tore: 37. Itten 0:1, 42. Quintillà 0:2, 51. Aratore 1:2, 90. Quintillà 1:3.

Lugano: Baumann; Kecskes, Maric, Daprelà; Custodio; Dalmonte (70. Lavanchy), Sabbatini (Cap.), Rodriguez (63. Bottani), Aratore; Gerndt, Holender (83. Sasere).

St.Gallen: Stojanovic; Hefti (Cap.), Stergiou, Wiss (57. Fazliji), Muheim; Görtler, Quintillà, Ruiz; Demirovic (85. Bakayoko), Itten, Babic (63. Costanzo).

Verwarnungen: 12. Muheim (Foul), 44. Aratore (Foul), 47. Custodio (Foul), 74. Bottani (Reklamieren), 91. Sasere (Foul), 94. Costanzo (Foul).

Bemerkungen: Lugano ohne Sulmoni, Vecsei, Covilio, Crnigoj (verletzt). St.Gallen mit Klinsmann, Bakayoko, Costanzo, Fazliji, Staubli, Kräuchi, Campos (Ersatzbank) und ohne Letard (gesperrt), Guillemenot (krank), Nuhu, Lüchinger (verletzt), Strübi, Alves, Vilotic, Ajeti, Solimando, Kchouk, Rüfli (nicht im Aufgebot).