Der erste Heimsieg

FC St.Gallen 1879 - FC Lugano 3:2 (0:1) So, 25.08.2019 Spielberichte Bildbeschreibung

Eine unterhaltsame Partie wurde zum Ende noch unnötig spannend, nachdem wir ein 0:1 in ein 3:1 verwandeln konnten. Lugano musste dabei eine ganz Halbzeit mit einem Mann weniger auskommen, auf unserer Seite steht ein von Luganos Goalie Baumann abgewehrter Elfmeter zu Buche.

Die Vorzeichen unseres dritten Heimspiels waren speziell. Zum einen sah unsere Bilanz gegen den FC Lugano in der letzten Saison schlecht aus mit nur einem Remis aus vier Partien und wir hatten mehr als eine Rechnung mit den Tessinern offen, zum andern sollten in der laufenden Saison endlich die ersten Punkte im kybunpark her. Mit einem Sieg hätte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

Von Verunsicherung wegen der nicht gerade schmeichelhaften Statistik war bei unserem Team nichts zu sehen. Von Beginn weg spielten beide Mannschaften offensiv, ein Abwarten gab es nicht. Nach nicht einmal drei Minuten konnten sowohl Lugano wie auch wir einen Angriff verbuchen, die beiden Goalies Stojanovic und Baumann konnten sich einen geruhsamen Arbeitstag abschminken.

0:1 statt 1:0

Vor allem Baumann bekam schneller wieder zu tun, als ihm lieb war, denn in der fünften Minute foulte Sulmoni Cedric Itten im Strafraum - und Schiedsrichter Sandro Schärer zeigte sofort auf den Punkt. Cedric Itten schnappte sich den Ball, traf in dieser Saison ja bereits zweimal vom Elfmeterpunkt gegen Basel und YB - aber im Cupspiel in Monthey donnerte er kurz vor Schluss auch einen Elfmeter über die Latte. Unsere Nummer 13 lief an, schoss flach links, aber nicht ganz in die Ecke, so dass der richtig spekulierende Baumann den Ball abwehren konnte.

Die Kadenz blieb hoch, es folgte nur vier Minuten später der nächste Hammer. Die Luganesi führten auf der rechten Seite einen Einwurf schnell aus, unsere Defensive war noch nicht richtig sortiert, so dass Silvan Hefti eine Flanke von Carlinhos nur gerade wieder zum Brasilianer abwehren konnte. Dieser legte den Ball direkt quer auf den hinteren linken Pfosten, wo Stürmer Holender völlig freistand und einschieben konnte. Statt 1:0 hiess es 0:1 - das tat weh.

Die Chance zum Ausgleich bot sich schon in der zwölften Minute, aber Itten nahm den Pass von Victor Ruiz mit dem Rücken zum Tor an, der Schuss aus der Drehung ging dann links am Tor vorbei. In der Folge flachte das unterhaltsame Spiel dann etwas ab, was sicher auch dem warmen und drückenden Wetter geschuldet war. Betim Fazliji, der heute nach seinem tollen Auftritt in Basel wieder in die Startelf gerutscht war, hatte nach einer halben Stunde beinahe von der guten Vorarbeit Heftis profitiert, wenn nicht Kecskes im letzten Moment dazwischen gegrätscht wäre.

Stürmer für Mittelfeldspieler

Doch dann war für Fazliji etwas überraschend bereits Schluss. Stürmer Boris Babic stand an der Linie, um für den Mittelfeldspieler reinzukommen, obwohl Fazliji weder schlecht gespielt noch sich verletzt hatte. Trainer Peter Zeidler erklärte dem jungen Rebsteiner noch an der Seitenlinie, dass der Wechsel taktischer Natur war und nichts mit seiner Leistung zu tun hatte. "Ich wollte mit der Einwechslung eines Stürmers ein Zeichen setzen", sagte Zeidler dann nach dem Spiel an der Medienkonferenz. Die Folge dieses Wechsels war, dass Ruiz links ins Mittelfeld zurückrutschte und die Position Fazlijis übernahm, Babic dafür links vorne stürmte.

"Ich habe zu Boris gesagt, er könne nun zeigen, was er kann", erzählte Peter Zeidler im Anschluss an die Partie. Und Babic wollte das dann auch sogleich zeigen. In der 45. Minute sah er, dass Baumann etwas weit vor dem Tor stand, doch der Schuss flog knapp über die Latte. Und bereits in der zweiten Minute der Nachspielzeit steckte Itten im Zentrum schön durch auf Sturmpartner Babic, doch dessen Schuss wurde von einem Tessiner noch leicht geblockt, so dass Baumann den Ball ohne Probleme halten konnte. Sonst gab es bis vor der Pause keine nennenswerten Torszenen mehr.

Custodios Aussetzer

Die zweite Halbzeit war kaum angepfiffen, da war auch schon richtig Farbe im Spiel - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nach genau 16 Sekunden pfiff Sandro Schärer eine Aktion wegen Handspiels ab, und zwei Sekunden später schoss der bereits verwarnte Custodio den Ball noch gegen die Beine seines Gegenspielers. Schärer blieb keine andere Wahl, als Custodio frühzeitig in die Kabine zu schicken. Da half auch kein Lamentieren der Tessiner mehr, der Entscheid stand fest. Und auch wenn er hart war, so war er doch richtig.

"Es kommt immer wieder vor, dass ein Platzverweis eher der Mannschaft nützt, welche die rote Karte bekommen hat", meinte Peter Zeidler nach dem Spiel. "Schön, dass es diesmal anders war", sagte unser Coach. In der 53. Minute chipte Lukas Görtler mit Turban - er stiess in der 39. Minute heftig mit Sulmoni zusammen - einen Ball in den Strafraum. Guillemenot und Kecskes gingen zum Kopfball, der Ball schien geklärt und flog an die Strafraumgrenze. Aber Silvan Hefti nahm den Ball mit vollem Risiko volley und drosch die Kugel aus 16 Metern aus halbrechter Position links unten ins Tor. Eine Hammerkiste!

Zeidlers Joker sticht

Danach war das Momentum auf unserer Seite, und auch die warmen Temperaturen trugen das Ihre dazu bei, dass ein Mann mehr auf dem Platz bestimmt kein Nachteil war. Nur drei Minuten nach dem Ausgleich rollte ein scharfer Querpass von Jérémy Guillemenot keinen halben Meter parallel zum Tor durch den ganzen Fünfmeterraum, doch kein Espe war da, um abzustauben. In der 58. Minute hatten wir dann auch etwas Glück, dass Schiedsrichter Schärer das harte Tackling von Jordi Quintillà gegen Aratore nur mit Gelb sanktionierte. Kurz darauf nahm Lugano-Coach Celestini unseren Ex-Spieler dann vom Feld.

Und wie schon beim ersten Wechsel der Luganesi dauerte es wiederum nur zwei Minuten, bis wir danach ein Tor schossen. Es war ein herrlicher Angriff, den Babic, der Torschütze, selber eingeleitet hatte. Er behauptete den Ball gegen zwei Tessiner, spielte dann zu Itten, der mit Babic Doppelpass spielen wollte. Doch Ruiz lenkte den Ball noch leicht mit der Hacke ab, Babic übernahm, lief auf Baumann zu und schob den Ball eiskalt an ihm vorbei ins Netz. Der Joker stach.

Ein Tor des Willens

In der 53. und 63. Minute - unsere Tore fielen heute im Zehn-Minuten-Takt. Somit genoss die 73. Minute erhöhte Aufmerksamkeit der 10'578 Zuschauer. Ruiz kam in eben dieser 73. Minute links im Strafraum an den Ball und versuchte einen Pass zur Mitte. Der Ball kam zu ihm zurück, Ruiz zog zur Mitte und kam zu Fall - aber kein Penalty. Doch Guillemenot schnappte sich den Ball, schoss den Ball an den Pfosten - und Cedric Itten stand goldrichtig, um zum 3:1 abzustauben. Es war ein Tor des Willens.

Zwei Tore und ein Mann mehr bei warmen Temperaturen? Das sollte eigentlich die Entscheidung sein, dachte man. Dachte man! Denn die Tessiner steckten nicht auf, kamen durch Vecsei in der 75. Minute zu einem Kopfball, den Dejan Stojanovic mit einer tollen Parade zum Eckball abwehren konnte. Und drei Minuten später erzielte der eingewechselte Gerndt ein Tor, das dann aber wegen Abseits aberkannt wurde. Die Entscheidung war richtig, wenn auch ganz knapp.

Unnötig gezittert

Bei uns kamen noch Campos (79.) und Fabiano Alves (81.) ins Spiel. Der Brasilianer ersetzte Lukas Görtler, der mit einem Brummschädel vom Platz musste. Dass sich der Einsatz für die beiden Eingewechselten doch noch lohnte, dafür sorgte Schiedsrichter Schärer, der gleich sieben Minuten Nachspielzeit anzeigte. Diese waren aber gerechtfertigt, denn der eine von Schärers Assistenten musste durch den vierten Offiziellen ersetzt werden.

Auch das sollte eigentlich den Sieg nicht gefährden. Eigentlich! Denn in der 94. Minute gelang dem Ungarn Holender sein zweites Tor an diesem Nachmittag. Captain Sabbatini schickte seinen Stürmer mit einem Lobpass von hinter der Mittellinie steil und Holender verkürzte zum 3:2. Doch nach vier Minuten unnötigen Zitterns war das Spiel dann vorbei, der erste Heimsieg dieser Saison im Trockenen und die Grün-Weissen erleichtert. (mna)

 

FC St.Gallen 1879 - FC Lugano 3:2 (1:2)

kybunpark - 10'578 Zuschauer - SR Sandro Schärer.

Tore: 10. Holender 0:1, 53. Hefti 1:1, 63. Babic 2:1, 73. Itten 3:1, 94. Holender 3:2.

St.Gallen: Stojanovic; Hefti (Cap.), Stergiou, Letard, Rüfli; Görtler (81. Fabiano Alves, Quintillà, Fazliji (32. Babic); Guillemenot (79. Campos), Itten, Ruiz.

Lugano: Baumann; Kecskes, Sulmoni, Daprela; Custodio; Lavanchy, Rodriguez (61. Gerndt), Sabbatini (Cap.), Aratore (61. Lovric); Carlinhos Junior (51. Vecsei), Holender.

Verwarnungen: 6. Custodio (Foul), 58. Quintillà (Foul), 75. Letard (Foul), 86. Ruiz (Foul), 87. Vecsei (Foul), 87. Fabiano Alves (Foul).

Bemerkungen: St.Gallen mit Klinsmann, Fabiano Alves, Vilotic, Babic, Solimando, Kräuchi, Campos (Ersatzbank) und ohne Muheim (gesperrt), Kutesa (krank), Costanzo, Nuhu, Lüchinger, Bakayoko (verletzt), Strübi, Wiss, Ajeti, Staubli, Kchouk (nicht im Aufgebot). Lugano ohne Da Costa, Bottani, Maric, Covilo, Macek, Soldini (verletzt), Kameraj, Guidotti, Crnigoj, Marzouk, Muci (nicht im Aufgebot). - 46. Gelb-Rot für Custodio (Ballwegschlagen). - 73. Pfostenschuss von Guillemenot. - 78. Tor von Gerndt wegen Abseits aberkannt.